Römische Kamille ist eine niedrig wachsende, angenehm duftende, mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Im Gegensatz zur bekannteren Echten Kamille wird die Römische Kamille hauptsächlich wegen ihrer aromatischen Blüten und des daraus gewonnenen ätherischen Öls angebaut. Die Blüten verströmen einen angenehmen Duft und besitzen einen milden, süß-würzigen Geschmack mit feinen Noten von Apfel und Honig sowie einer leichten Bitterkeit. In der Küche wird die Römische Kamille vor allem als Gewürz- und Aromapflanze verwendet. Die bekannteste Anwendung ist die Zubereitung eines Kräutertees. Dafür werden ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blüten mit einer Tasse heißem Wasser übergossen und fünf bis zehn Minuten ziehen gelassen. So entsteht ein milder, aromatischer Tee. Darüber hinaus werden die Blüten in Desserts wie Pudding, Speiseeis, Panna Cotta und Keksen verwendet. Sie verleihen Kräuterlikören, Sirupen und Cocktails ein feines Aroma und können auch in Honig oder Essig eingelegt werden, um diesen eine dezente Würze zu verleihen. Außerdem harmoniert die Römische Kamille hervorragend mit Obst, insbesondere mit Äpfeln, Birnen, Aprikosen und Zitrusfrüchten. Aufgrund ihrer leichten Bitterkeit wird sie in der Küche sparsam verwendet.
Neben ihrer kulinarischen Bedeutung besitzt die Römische Kamille eine lange Tradition als Heilpflanze. Die Blüten enthalten unter anderem ätherische Öle, Flavonoide und Sesquiterpene. In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden sie zur Unterstützung der Verdauung und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden, wie beispielsweise Blähungen, eingesetzt. Ein Blütenaufguss wird außerdem als beruhigender Tee bei Stress und Nervosität getrunken. Der Tee kann auch als Gurgellösung zur Linderung von Halsschmerzen und Reizungen im Mundraum verwendet werden. Äußerlich finden Umschläge oder Salben mit Römischer Kamille bei empfindlicher oder gereizter Haut Anwendung. Obwohl diese Anwendungen seit Jahrhunderten bekannt sind, ist die wissenschaftliche Beweislage für viele dieser Wirkungen begrenzt. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler, wie Ambrosia, Gänseblümchen oder Rainfarn, können auch auf Römische Kamille allergisch reagieren.
Die Römische Kamille ist außerdem eine wertvolle Färbepflanze. Ihre Blüten liefern einen sanften gelben Naturfarbstoff, der sich zum Färben von Wolle, Seide und – mit einer Beize wie Alaun – auch von Baumwolle eignet. Je nach Konzentration des Färbebades und der verwendeten Beize entstehen Farbtöne von Hellgelb und warmem Strohgelb bis hin zu Goldgelb. Für das Färbebad werden die Blüten etwa eine Stunde lang ausgekocht. Ohne Beize fällt die Farbe meist weniger intensiv und weniger lichtecht aus. Historisch wurde die Römische Kamille häufig verwendet, um Textilien gelb oder goldgelb zu färben. Besonders Wolle erhielt einen warmen Goldton, während auch handgeschöpftes Papier mit den Blüten einen sanften Cremefarbton bekam. Dank ihrer vielseitigen Eigenschaften nimmt die Römische Kamille einen besonderen Platz unter den Kräutern ein. Sie wird nicht nur wegen ihres feinen Aromas in der Küche geschätzt, sondern auch traditionell als Heilpflanze und als natürliche Quelle eines sanften gelben Farbstoffs für Textilien und Papier. Römische Kamille Blüht von Juni bis September. Winterharte Mehrjährige Pflanze. Höhe: 10 - 30 cm.
Außen säen: April - Juli
Entkeimen: 10 - 14 Tage
Keimtemperatur: 15 - 18 °C
Saattiefe: Oberflächlich - ½ cm
Pflanzabstand: 20 - 30 cm
Standort: Sonnig
Erntezeit: Juni - August
Blütezeit: Juni - September
Säen Sie die Römische Kamille ab April direkt ins Freiland an einem sonnigen Standort aus. Streuen Sie die Samen oberflächlich aus und harken Sie sie nur leicht ein, sodass sie mit höchstens ½ cm Erde bedeckt sind. Drücken Sie den Boden vorsichtig an und halten Sie das Saatbeet während der Keimung gleichmäßig feucht. Bei einer Bodentemperatur von 15 - 18 °C erscheinen die ersten Keimlinge nach etwa 10 bis 14 Tagen. Halten Sie das Saatbeet in den ersten Wochen unkrautfrei, damit die jungen Pflanzen ausreichend Licht und Platz erhalten. Sobald die Sämlinge groß genug sind, werden sie auf einen Pflanzabstand von 20 - 30 cm vereinzelt.
Die Römische Kamille bildet mit kurzen Ausläufern einen dichten, duftenden Pflanzenteppich und füllt freie Flächen nach und nach aus. Für einen kompakten und gleichmäßigen Wuchs kann die Pflanze regelmäßig zurückgeschnitten werden. Dadurch bilden sich neue Seitentriebe, die bei Bedarf abgetrennt und an anderer Stelle wieder eingepflanzt werden können. Die Römische Kamille ist eine winterharte, mehrjährige Pflanze. An einem geschützten Standort mit gut durchlässigem Boden überwintert sie problemlos und treibt im Frühjahr erneut aus.
Die Blüten können von Juni bis August geerntet werden, vorzugsweise an einem trockenen, sonnigen Tag, sobald sie vollständig geöffnet sind. Sie können frisch verwendet oder für die spätere Nutzung als Kräutertee, Küchenkraut oder natürlicher Farbstoff getrocknet werden. Hängen Sie die geernteten Blüten mit einem Stück Stiel kopfüber an einem trockenen, hellen und gut belüfteten Ort auf. Das Trocknen dauert etwa 1 bis 2 Wochen. Nach vollständiger Trocknung werden die Blüten zerkrümelt und in einem gut verschlossenen Glas- oder Kunststoffbehälter aufbewahrt. An einem trockenen, dunklen und frostfreien Ort gelagert, sind die getrockneten Blüten bis zu 12 Monate haltbar.